„Uuuuuuuuh“ presste meine Stimme durch den angespannten Mund. Es war eine Gesangsübung im Oktavsprung. So lief meine erste Gesangsstunde bei einer brillanten Opernsängerin.

Mein Kiefer war mega angespannt, der Ton gepresst und natürlich wollte ich voller Ehrgeiz auf Biegen und Brechen gut sein – und mich keineswegs blamieren.

Ich wollte schon beim Warmup, wie eine große Diva klingen und beeindrucken!

Meinst Du es hat geklappt?

Ganz ehrlich: nein. Es war meine anstrengendste Gesangstunde, ever!!!

Warum?

Weil ich eine Technik damals noch nicht beherrschte. Heute weiß ich, dass diese Technik die Grundlage einer guten Stimme ist. Wenn du deine Stimme verbessern möchtest, dann musst du ein Stimmgeheimnis verstehen:

Es ist der perfekte Umgang mit Atem!

Wenn wir geboren werden, atmen wir perfekt. Babyleicht! Es ist unser Reflex. Da stört uns nicht, ob wir gut aussehen oder unser Bauch schlank nach innen gezogen werden muss, um die extra Pfunde zu kaschieren.

Als Extra Bonbon ist jeder von uns mit seiner einzigartigen, echten Stimme ausgestattet worden. Diese drückt deine Haltung, Persönlichkeit und deine Weltsicht aus. Die Stimme ist unser klingender Fingerabdruck! Diesen Fingerabdruck verlieren wir im Laufe der Jahre.

Wenn du deine Simme verbessern willst, dann musst du diesen einzigartigen Fingerabdruck wiederfinden.

Die Art, wie wir sprechen, unser Geschlecht und auch gewisse Übungen können diese einzigartige Klangfarbe herausarbeiten.

Die wichtigste Technik dabei: Die Atmung.

Mit der richtigen Atmung kannst du nicht nur deine Stimme verbessern, sondern auch einzigartig machen.

Wie?

Das zeige ich dir jetzt.

Schritt 1: Verstehe deine Stimme, um sie zu verbessern

Deine Stimme lässt sich nicht einfach in Worte stecken. Ihr Klang ist geprägt durch deine körperlichen Faktoren wie Hormone, Größe deines Kehlkopfes und seiner Muskeln.

Ob du eher hoch oder tief sprichst  hängt von der Größe deiner Stimmlippen ab:

Je kürzer und dünner diese feinen Muskelstränge im Kehlkopf sind, desto häufiger schwingen sie pro Sekunde und desto höher ist die erzeugte Frequenz.

Obwohl wir ähnliche Stimm-Eigenschaften haben, unterscheidet sich bei Männern und Frauen der Stimmumfang. Wir Mädels kommen einfach höher als die Männer. Meistens liegen die Stimmen eine Oktave auseinander- so wie meine erste Übung, ha ha..

Die Tonhöhe des Grundtons der menschlichen Stimme liegt für die männliche Stimme bei etwa 125 Hz, für die weibliche bei etwa 250 Hz. Kleine Kinder haben eine Tonlage um 440 Hz. Ursache dieser Unterschiede ist die unterschiedliche Größe des Kehlkopfes und damit der Länge der Stimmlippen.

Dazu teilt man ganz gerne in der Klassik die Sing-Stimmen in unterschiedliche Tonlagen ein:

Frauenstimmen:

  • Die höchste Stimmlage ist der Sopran: Der Tonumfang geht von „h bis f´“. Dieser ist die meistgesungene Frauenstimme.
  • Dann kommt der Mezzo: Das ist die mittlere Frauenstimme zwischen Sopran und Alt. Vom Umfang geht der von „g bis c„
  • Beim Alt findet man die tiefe Frauenstimme, vergleichbar mit dem männlichen Bass. Der Stimmumfang geht von „e bis a´´

Männerstimmen:

  • Der Tenor ist die hohe männliche Stimme und reicht von „a bis d´“. Da müssen die Männer zwischen Kopf und Bruststimme gut kombinieren können. Frauen merken das meistens erst, wenn man ein Lied von Sängern singt, ha ha.
  • Der Bariton liegt wieder dazwischen. Der Tonumfang geht von „F bis b´“
  • Und dann kommt im Keller der Bass. Das ist die tiefe Männerstimme. Mit dem Umfang von „C bis g´“.

In der Popmusik ist es nicht ganz so streng.

Je nachdem wie ein Lied gesetzt ist, muss man mal über seine Tonlage drüber oder drunter springen. Dafür brauchen wir Technik, die unsere Stimmlage erweitert und gut stützt. Das Geheimnis ist hier wieder die richtige Atemtechnik

Schritt 2: Finde deine optimale Stimme!

Wohlfühl-Sprech-Stimme:

Es gibt diese gigantisch attraktiven Telefonstimmen. Wenn diese im Ohr klingt, entspannst du direkt. Probiere ein genussvolles „mmhhh“.  Genau da liegt deine Wohlfühllage beim Sprechen.

Vermeide Näselei:

Sprecher, die näseln, klingen oft arrogant oder gestellt. Besser aus dem Bauch heraus reden mit gestützter Atmung.

Gerade Körperhaltung:

Je aufgerichteter dein Oberköper ist, desto besser kann deine Atmung stützen und um so mehr klingt dein Resonanzköper.

Stimmpflege:

Ein Warm-Up für ist der beste Weg, um deine Stimme geschmeidig zu machen. Mit einfachen Stimmübungen klingst du direkt klangvoller.

Ein genussvolles Dehnen deines Körpers, dazu ein lauter Gähner und schon sorgst du für einen Spannungsausgleich im Körper. Gerade deine Schulter-Nacken-Partie sollten locker sein, damit sie auch klangvoll den Klang deines Kehlkopfes weiterleiten kann.

Schritt 3: Besseres Atmen = Bessere Stimme

Wer gut atmen kann, kann gut singen!!!

Die meiste Zeit vergessen wir richtig zu atmen, nämlich mit unserem Zwerchfell.

Als Neugeborenes atmest Du perfekt. Einfach ein und aus. Beim Einatmen dehnt sich automatisch der Magen mit aus und das Zwerchfell dehnt sich leicht und locker mit.

Wo steckt dein Atem gerade fest? Brust, Bauch oder doch die Babyatmung?

Sobald wir als Kinder größer werden und sozialisiert sind, steckt der Atem oft in der Brust fest. Wir holen flacher Luft, wollen auf keinen Fall unseren dicken Bauch zeigen. Durch den wenigen Luftstrom klingt deshalb auch oft die ein oder andere Stimme dünn, ohne Tiefe und ohne Bass.

Das BO hat es schon gesungen:  Wir brauchen Bass!!!!

Auch beim Schnacken und Reden brauchen wir unserem Atem. Wenn Du zu den Menschen gehörst die aus der Brust atmen, hast du vielleicht festgestellt, dass die Stimme höher und instabiler klingt. Beim Schnellsprechen kommst Du leichter außer Atem und die Kontrolle über Deine Stimme ist nicht so super wie wenn Du aus dem Becken atmest. Probiere einfach mal den Unterschied Bauchatmung/Brustatmung beim Sprechen aus. Es wird Dir direkt auffallen.

Hier eine kleine Übung:

Öffne Deinen Kiefer leicht, entspanne Dich, atme durch die Nase ein, weite dein Zwerchfell und aus dem Mund langsam wieder aus. Wenn Du das ein paar Mal machst und beim Sprechen und Singen gezielt einsetzt, wird deine Stimme tiefer klingen. Dazu bekommt sie mehr Resonanz und Stabilität plus Stütze.

Also Babyleicht!

Schritt 4: Achte auf deine Atmung

Deine Atmung und deine Stimme verbessern sich nicht an einem Tag.

Du musst regelmäßig üben und dich selbst immer beim falschen Atmen ertappen.

Du musst bewusster atmen und den Automatismus loswerden. Dann wird sich auch deine Stimme verbessern.

Ich wünsche dir mit den Übungen zur Stimmverbesserung viel Spaß.

Deine Anne-Kathrin